Zloczow, Juli 1941: Die Wehrmacht und der Beginn des Holocaust in Galizien

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Am 1. Juli 1941 marschierte die Wehrmacht in Zloczow ein. Für die nächsten Tage sollte die kleine Stadt in Ostgalizien Schauplatz einer der blutigsten und umfangreichsten Mordaktionen gegen Juden in den ersten Monaten des Krieges gegen die Sowjetunion werden. Zloczow liegt in "Kleinpolen", einer flachen, landwirtschaftlich geprägten Region in Galizien, das bis 1919 Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie war und danach zu Polen kam. Im Süden wird die Stadt von den Hügeln von Vorniaky und im Norden vom Fluß Zloczowka begrenzt. Straßen und Eisenbahnlinien verbinden Zloczow in Richtung Westen mit Lemberg, nach Südosten mit Tarnopol und nach Norden mit Brody.

Während der Zugehörigkeit zu Polen verfügte Zloczow über eine Reihe von Regierungsinstitutionen: die Dienststelle des Gouverneurs, einen Gerichtshof, Katasteramt, Postamt, Krankenhaus und mehrere Schulen; als grenznahe Stadt war es außerdem mit zwei Regimentern belegt. Vor dem Zweiten Weltkrieg war etwa die Hälfte der 20.000 Einwohner Juden meist arme Händler oder Handwerker, viele ohne Arbeit , und je ein Viertel Polen und Ukrainer; man sprach polnisch, ukrainisch und jiddisch. Antisemitismus war ein virulentes Phänomen. Wenn die polnischen und ukrainischen Studenten an Weihnachten nach Hause kamen, riefen sie zum Boykott der jüdischen Geschäfte auf, und wenn jüdische Fußballmannschaften ein Spiel gewannen, waren regelmäßig Schlägereien die Antwort. Aber da die jüdische Gemeinde über eigene Institutionen ein Stadtkomitee, Geistliche, Richter, Krankenhäuser, Synagogen, Schulen, eine Wohlfahrtseinrichtung Sportvereine, Laientheater und politische Organisationen verfügte und somit nicht allein auf die Familien als Schutz vor der feindlichen Umwelt angewiesen war, pendelte sich ein prekäres Gleichgewicht zwischen den Bevölkerungsgruppen ein....